Nach umständlicher Anreise sind wir in unsere Tour Aotearoa gestartet
Endlich kann es losgehen! Alle haben den Jetlag ausgestanden, mit Zwischenstationen in Auckland und Whangarei sind wir endich ganz im Norden angekommen. Dazwischen lagen noch eine dreistündige Fernbusfahrt, Umpacken des endgültigen Gepäcks in die Fahrraddtaschen und ein Shuttle-Transfer in die Einsamkeit. Am Donnerstagabend hat uns die freundliche Fahrerin nach knapp 3 h Fahrt am Strand von Tapotupotu Bay ausgesetzt und von da an waren wir auf uns allein gestellt. Der nördlichste Zipfel Neuseelands ist gute 100 km von der nächsten Kleinstadt entfernt, Bus fährt dort keiner hin und Handyempfang gibt es erst recht nicht. In der Hochsaison gibt es viele Touristen, jetzt im späten Frühjahr ist noch nichts los.
Nach einer ersten Nacht im Zelt, in der leider ziemlich viele Moskitos den kleinen unachtsam offengelassenen Schlitz im Reißverschluss gefunden haben, hieß es am nächsten Morgen erstmal, die verbleibenden fünf Kilometer bis zu Cape Reinga zurückzulegen. Die ersten zwei davon waren schonmal die erste Grenzerfahrung, denn vom Zeltplatz aus geht es sofort extrem steil über losen Schotter knappe 200 Höhenmeter hoch. Am Kapp gab es nochmal eine Verschnaufpause und eine wunderbare Aussicht ins endlose Blau des Ozeans. Wo Pazifik und Tasmanische See aufeinander treffen, kann man sehr gut die Meeresströmungen sehen. Für die Maori, die Ureinwohner Neuseelands, ist dieser in ihrer Sprache Te Rerenga Wairua genannte Ort spirituell äußerst bedeutsam. Hier verlassen die Seelen der Verstorbenen das Land, nachdem sie es zuvor auf ihrer letzten Reise durchwandert haben, und steigen die Klippen hinab in die Unterwelt, um in ihr mythisches Heimatland Hawaiki zurückzuschwimmen. Auf Maori lautet der Name Neuseelands Aotearoa, was übersetzt Land der langen weißen Wolke bedeutet. Am Leuchtturm haben wir unser erstes Meilensteinfoto aufgenommen, um alle Checkpunkte zu dokumentieren, und hier beginnt unsere Tour Aotearoa.


Meilenstein #1: Der Leuchtturm am Cape Reinga, Startpunkt unserer langen Reise. Hier treffen Pazifischer Ozean und Tasmanische See aufeinander, für die Maori ein heiliger Ort.
Vom Kapp aus führt nur eine Straße weg und nur in eine Richtung – nach Süden, unsere Hauptreiserichtung für die nächsten Monate. Diese Hauptstraße ging es erstmal gute 15 km entlang, bevor wir auf einen kleines Schottersträßchen Richtung 90 Mile Beach abgebogen sind. Auf dem letzten Stück wird aus Schotter Sand und das Sträßchen verläuft ein paar Kilometer durch ein Bachbett, bevor man den Strand erreicht, auf dem der Weg dann – bei Ebbe – weiterführt.
Hier oben ist es ganz schön hügelig und steil und unsere Beine müssen sich erstmal noch daran gewöhnen, auch das viele Gepäck mitzubewegen. Somit waren wir deutlich langsamer unterwegs als gedacht. Als wir den Beginn des Bachbetts erreichten, war dann leider schon absehbar, dass wir den nächsten Abschnitt auf dem Strand wohl nicht mehr rechtzeitig schaffen würden, bevor die Flut zu hoch steigt und den Weg unpassierbar macht. Somit mussten wir spontan beschließen, unseren ersten Tag bereits hier zu beenden und die Nacht hier zu verbringen. Somit blieb am Nachmittag noch reichlich Zeit, um die riesigen Sanddünen von Te Paki zu erkunden, sich ein Sandboard auszuleihen und ein bisschen rodeln zu gehen. Das macht Spaß, den feinen Sand haben wir aber noch 2 Tage später aus jeder Ritze, aus den Schuhen und aus den Ohren gekratzt.
Tag 1 – 24 km – 603 Hm


Schmerzhafter Start: noch vor dem eigentlichen Start geht es vom ersten Zeltplatz erstmal extrem steil nach oben über losen Schotter. Sandiger Spaß: rodeln auf den riesigen Te-Paki-Dünen.
Mehr Bilder und Videos gibt es wie immer hier: www.instagram.com/bikepackingfamily.cc
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