Bald ist die Hälfte der Tour geschafft
Wir haben uns mittlerweile ziemlich gut eingespielt und beginnen, das viele Ausdauertraining deutlich zu spüren. Die fünfzig Kilometer, die wir uns als durchschnittliches Tagesziel gesetzt haben, fühlen sich immer öfter immer leichter an. Für heute hatten wir uns daher eine deutlich längere Etappe vorgenommen, unsere bisher längste.
Aus Palmerston North hinaus ging erstmal über einen Pass, der über die Gebirgskette der Tararua Range führt. Am Anfang ziemlich steil wird es nach den ersten paar Kilometern angenehmer. Allerdings ist die Straße ziemlich stark befahren und hat nur einen schmalen Seitenstreifen, der immer wieder vorrübergehend verschwindet. Auf der Passhöhe wurde abgeklatscht und dann die rasante Abfahrt genossen, an deren Fuß wir endlich auf eine der gewohnten Nebenstraßen ohne Verkehr abbiegen konnten.
Auf der östlichen Seite der Berge waren wir nun in der Region Wairarapa angekommen, die den südöstlichsten Teil der Nordinsel ausmacht. Wairarapa bedeutet „Glitzerndes Wasser“ und ist nach dem größten See der Region benannt. Auch hier ist die Besiedelung dünn, Ortschaften selten die Schaf- und Rinderzucht dominiert. Eigentlich ist es relativ flach, leider waren wir heute aber die meiste Zeit auf der falschen Seite des starken und böigen Winds unterwegs. Das war anstrengend und manchwal war der Wind so stark, dass wir kurz stehenbleiben mussten, um nicht von einer Bö vom Rad gefegt zu werden. Der kleine Berg vor unserem Etappenort Eketahuna war dann wie eine Erlösung: Endlich war es wieder wegen der Steigung anstrengend, da weiß man wenigstens immer, dass es auf der anderen Seite auch wieder runter geht.
Eketahuna ist ein winziger Ort mit vielleicht 500 Einwohnern. Im Slang steht sein Name als Synonym für einen fernab jeder Zivilisation gelegenen Ort, so wie auch Timbuktu im Slang verwendet wird. Hier ansässige Bewohner würden vielleicht das Gegenteil behaupten: Wie viele neuseeländische Kleinstädtchen hat sich auch Eketahuna mit Kiwi Town einen Titel selbst verliehen, um die lokale Identität zu stärken und sich von anderen kleinen Örtchen irgendwie abzuheben. Um das zu verdeutlichen, ist an der Hauptstraße eine große Kiwi-Statue aufgestellt und die Fassaden vieler Gebäude sind mit Kiwi-Motiven verziert.


Im Bild nicht sichtbar: Wind heute immer vorne. Lokalpatriotismus: Eketahuna sieht sich selbst als Kiwi Town.

Meilenstein #13: Giant Kiwi Statue in Eketahuna
Tag 27 – 72 km – 929 Hm
Die heutige Etappe war nach der Anstrengung von gestern zum Glück eher gemmütlich. Die kurze Strecke fast ohne Steigungen war schnell erledigt, um nicht ganz so früh anzukommen, haben wir die Mittagspause sehr gemütlich ausgedehnt und Karl lange Gelegenheit gegeben, im Gras zu spielen und rumzukrabbeln.
Masterton, größter Ort der Region, ist bereits eine ansehnliche Stadt mit ihren ca. 15.000 Einwohnern. Da diese wie hier generell üblich ziemlich alle im eigenen Haus mit großem Garten leben, ist der Ort auf eine Fläche ausgedehnt, auf der man in Deutschland locker 50.000 Einwohner erwarten würde. Wir legten hier mal wieder einen Ruhetag ein, den wir nach 6 Tagen Radfahrt alle drei gut gebrauchen konnten.
Tag 28 – 44 km – 265


Ganz schön was geschafft: Viel fehlt nicht mehr, um die Hauptstadt Wellington zu erreichen und die Nordinsel hinter uns zu lassen. Ungefähr hier oder irgendwo demnächst ist die Hälfte unserer Tour geschafft!
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