Wildnis an der Westküste
Außerdem: Wetcoast an der Westcoast
Endlich weiter! Nach der Pause hatte es schon regelrecht in den Beinen gejuckt, sie wollten sich bewegen und dass sie nicht im Schlaf Kurbelbewegungen ausgeführt haben, war fast überraschend. Nicht nur die Beine wollten weiter, bei der Etappenplanung wurden wir aber gleich wieder gedämpft: Ab Greymouth führt der Weg für 130 Kilometer über den Westcoast Wilderness Trail, wie der Name sagt durch die Wildnis. Wir müssen uns an die verfügbaren Unterkünfte halten und somit war es nur möglich, die nächsten beiden Tag sehr unterschiedlich aufzuteilen.
Der Tag war also nach gerade mal 20 Kilometern schon wieder vorbei, das aufwendige Packen und Verstauen hat sich dafür kaum gelohnt. Unterwegs haben wir uns eher gefragt, wo denn die Wildnis bleibt. Eben und schnurgerade meist durch den Wald war der Weg eher E-Bike-freundlich. Dafür konnten wir schon mittags in der etwas hippiehaften Backpackerunterkunft einchecken, Karl ausgiebig im Gras krabbeln und spielen und neue Freunde machen lassen. Etwas unverhofft fanden wir uns am Abend als Babysitter für die sechsjährige Tochter anderer Gäste wieder, während ihre Eltern beim Atem-Workshop waren. Eigentlich hatte sie mit Karl spielen wollen, änderte aber schnell ihre Meinung und wollte lieber mit uns spielen


Kurze und eher E-Bike-freundliche Etappe, die Brücke (unten) war das einzige Aufregende heute. Dafür am Nachmittag sehr viel Zeit zum Spielen, das muss ja schließlich auch erledigt werden.
Tag 40 – 20 km – 110 Hm
Und hier kam sie, die Wildnis! Weg von der Küste und rein in die Berge führte der Weg und vom ersten Meter an war es heute aufregend, durch wundervoll anzuschauende und ständig wechselnde Natur zu fahren. Auch der Weg wechselte ständig und war oft anspruchsvoll. Kies- und Schotter, Bohlenweg durchs Moor, Singletrail, alte Fahrwege im Wald, alles war dabei. Nach zwei Stauseen ging es ordentlich bergauf, durch mehrere Flussfurten, über eine schwindelerregende Hängebrücke und wieder abwärts durch dutzende Serpentinen, um schließlich weit hinten in einem Tal wieder aus dem Wald herauszukommen und Neben dem Fluss in seinem Kiesbett ein bisschen zur Ruhe zu kommen. Auch hier gibt es Überreste vom Bergbau und jede Menge Kanäle führen noch immer Wasser, das früher als Antrieb für Maschinen diente. Eine gute Strecke folgte der Weg solch einem Kanal, der aufwendig und kurvig in den Berghang gegraben war, manchmal kurz in einem Tunnel verschwand und mehr als einmal auf einer Kanalbrücke aus Holz einen anderen Bach überquerte. Leider war hier der Weg so schmal und forderte volle Konzentration, dass keine Fotos enstehen konnten.




Alles dabei: Stauseen, Waldweg, Bohlenweg, Singletrail, Hängebrücke, viele viele Serpentinen und noch viel mehr wurde heute aufgeboten.

Mittagspause: Ein schattiges Plätzchen mit traumhafter Aussicht. Hier gibt es keine anderen Menschen. Zeit zum Ausruhen und Spielen. Danach ging es erfrischt weiter am Fluss hinab bis nach Hokitika am Strand.


Nur wenige Kilometer am Ende des Tages hatten wir nochmal eine asphaltierte Straße unter den Reifen, bis wir Hokitika erreichten, die letzte richtige Stadt an der Westküste, bevor wir diese gut dreihundert Kilometer weiter südlich über die Berge wieder verlassen werden. Unser Meilensteinfoto #21 fotografierten wir im Vorbeifahren. Der Glockenturm wurde irgendwann als Denkmal für die Freiwilligen in irgendeinem Krieg und für irgendeine Königskrönung erbaut.


En passant: Meilenstein #21, der Glockenturm in Hokitika. Skeptisch: Durch die sichere Scheibe hindurch kann man sich vorsichtig kennenlernen.
Tag 41 – 73 km – 669 Hm
Die Wettervorhersage kündigte leider einige nasse Tage und einen Tag mit ganz besonders scheußlichen Bedingungen an. Bei der stündlichen Niederschlagsmenge leuchteten jede Menge zweistellige Zahlen auf. Daher beschlossen wir, vor besagtem Tag möglichst weit zu kommen und ihn dann unter einem festen Dach auszusitzen. Die lange Etappe führte uns also nach Harihari, wo es ein Pub und ein winziges, ins lokale Café integriertes Geschäft gibt sowie rechts und links des Highways jeweils zehn Häuser. Immerhin gab es im Laden Windeln, sonst wären wir am Ruhetag absolut aufgeschmissen gewesen. Auf dem Weg nach Harihari lag noch Meilenstein #22, am Ufer von Lake Ianthe lachte uns noch die Sonne zu. Der Pausentag wäre nicht unbedingt zum Ausruhen notwendig gewesen, aber ein Blick aus dem Fenster machte sofort klar, dass er absolut unverzichtbar war, denn niemand würde freiwillig in diesem Wetter Rad fahren.
Tag 42 – 79 km – 383 Hm

Noch sonnig: Meilenstein #22, Lake Ianthe


Schnell weg: Da braut sich ordentlich was zusammen. Am nächsten Tag waren wir gefangen.


Schon ganz schön weit: Mittlerweile kommt unser Ziel schon in fast greifbare Nähe.
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