Whanganui River

Erster als juristische Person anerkannter Fluss

Schon wieder ist eine Menge Zeit vergangen, wir haben viel Zeit in äußerst dünn besiedelten Regionen mit kaum Empfang verbracht und es muss beim Berichten aufgeholt werden.

Die Nacht im Glamping-Zelt war schön, aber ziemlich kalt, immerhin waren wir ja noch im Bergland. Am Morgen war es noch immer ziemlich kühl, uns wurde aber zügig warm: zwar führt die Strecke insgesamt runter vom Berg ans Meer, sie tut das aber nicht gleichmäßig, sondern es war ein stetiges Auf und Ab. Schmales Landsträßchen, kein Verkehr, viele Kurven und an jeder Ecke tolle Ausblicke – eine Strecke, die jedes Radfahrerherz höher schlagen lässt. Am Mittag erreichten wir im Dörfchen Pipiriki den Whanganui River und damit wieder die eigentliche Strecke der Tour Aotearoa. Diesem Fluss wurden 2017 aufgrund seiner kulturellen Bedeutung als erstem Fluss überhaupt per Gesetz der Status einer juristischen Person und somit eigene Rechte und Pflichten zuerkannt. Wunderschön, entspannt und unverändert einsam ging es immer am Fluss entlang weiter zu unserer heutigen Unterkunft: auf der anderen Flussseite liegt The Flying Fox, eine ehemalige Farm, auf der die Besitzer Kelly und Jane drei oder vier Blockhüttchen und einen kleinen Zeltplatz betreiben, Avocados anbauen (um die 20.000 Früchte pro Saison) und so gut es geht von dem leben, was hier wächst. Der einzige Weg, diesen Ort zu erreichen, ist über eine winzige Seilbahn, die maximal vier Leute über den Fluss bringen kann. Wenn man etwas in seinem Gepäck vergessen hat, ist es daher relativ aufwendig, ranzukommen. Blöd also, wenn zu wenig Windeln auf der gleichen Seite des Flusses sind wie das Kind.

Nix los: immer auf und ab auf der winzigen Whanganui River Road. Auch nix los: Heißt zwar so, ist aber ganz bestimmt keine Metropole.

Dieser Fluss, der Whanganui River, gilt per Gesetz als Person mit entsprechenden Rechten. Die schmale Uferstraße führt viel rauf und runter.

The Flying Fox: Auf der anderen Flussseite gelegen und nur mit der Minigondel zu erreichen. Hier kann man nach Herzenslust spielen, morgens kommen die Hühner zu Besuch ind die Avocados wachsen direkt in den Mund hinein.

Ich Tag 21 – 57 km – 742 Hm

Letzter Blick auf den Fluss vor der Abfahrt in die Stadt.

Weil es beim Flying Fox so gut gefallen hat, hatten wir am Morgen spontan entschieden, einfach noch einen Tag länger zu bleiben. Danach ging es weiter am Fluss entlang auf dem unvermindert ruhigen Sträßchen. Dieses führt durch Siedlungen mit Namen wie London, Jerusalem oder Athen. Wahrscheinlich haben alle diese Orte zusammmengenommen weniger Einwohner als ein einziger Häuserblock in jeder dieser Städte.

Gänzlich unerwartet sahen wir heute drei wildlebende Pfauen am Straßenrad und fühlten uns betätigt, dass wir diese an den beiden Abenden zuvor immer wieder gehört hatten. Wie viele eingeführte Arten hat sich der Pfau ohne natürliche Feinde ungehindert ausgebreitet und kommt inzwischen ziemlich häufig vor. Für die Landwirtschaft stellt das ein Problem dar, denn die Pfauen vernichten gerne ganze Ernten.

Whanganui, die Stadt an der Mündung des gleichnamigen Flusses. Zeit, in den Radladen zu gehen!

Erst wenige Kilometer vor der Mündung des Flusses öffnet sich das Land und der Weg führt nach und nach durch immer dichter besiedeltes Gebiet. Hier liegt mit Whanganui mal wieder eine richtige Stadt, die wir heute schon früh erreichten und so noch reichlich Zeit hatten um einige Besorgungen zu erledigen: Eine neue Fahrradhose, eine neue Hose für Karl als Ersatz für die alte, die er beim Krabbeln durchgewetzt hat, oder einfach mal wieder eine Pediküre.

Tag 22 – 43 km – 423 Hm

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