Von Grün zu Blau

An der Küste des Hauraki Gulf

Heute konnten wir endlich die letzten Ausläufer des Ballungsraums und den dazugehörigen Verkehr hinter uns lassen. Am Morgen rollten wir noch zwischen Farmen, Baumschulen, Kiwiplantagen und Feldern mit allen möglich Gemüsen entlang. Auf der Wiese vor einem hübschen Café im Örtchen Clevedon gab es eine Mittagsrast mit Quiche, Käse und Kaffee, dann ging es weiter. Ab hier bietet die Route zwei Optionen: an der Küste entlang oder, falls der Verkehr zu stark ist, weiter landeinwärts durch die Hunua-Berge. Wir entschieden uns für die Küstenvariante und hatten so nur noch einen kleinen Hügel zu überwinden, bevor wieder das Meer auftauchte. Und was für eine Kulisse sich bot! Sandstrand, blaues Meer, grüne Hügel, rot blühende Pohutukawa-Bäume, keine Autos. Dann über einen kleinen Hügel rüber in die nächste Bucht und der gleiche Anblick wieder, vielleicht alle zehn Kilometer ein Örtchen, nicht mehr als eine kleine Ansammlung von Häusern. Reichlich Gelegenheit also für ein paar Aufnahmen mit der Drohne, die nach einem kleinen Flugunfall einige Tage zuvor inzwischen wieder flugbereit war.

Grüne Hügel, blauer Himmel, türkisfarbenes Meer. Neuseeland von seiner allerschönsten Sommerseite.

Gute Angewohnheit: der neugierige kleine Mann nimmt alles gründlich unter die Lupe. Böse Überraschung: Die Essensvorräte hat er unterwegs auch gründlich verteilt.

Relativ früh am Nachmittag haben wir unser Tagesziel in Orere Point erreicht und auf dem Campingplatz eingecheckt. Bei der Ankunft wurde schlagartig klar, warum der hellwache Karl im Anhänger zuletzt so still gewesen war: Er hatte trotz aller Bemühungen die Tüte mit den Essensvorräten in die Finger bekommen und gründlich untersucht. Dabei hat er Brot, Käse und Hummus großflächig verteilt und erfolgreich eine erstklassige Sauerei erzeugt!

Der kleine Laden in dem winzigen Dorf war zum Glück gerade ausreichend ausgestattet mit den notwendigen Kleinigkeiten, ein paar Bananen für unser Frühstück, ein kühles Bier am Strand und Fish and Chips zum Abendessen. Karl ist heute schon früh eingeschlafen und so hatten wir Gelegenheit, noch etwas draußen zu sitzen, Karten zu spielen und dafür zu sorgen, dass am nächsten Tag nicht der gesamte Sixpack Bier gezogen werden muss.

Neuseeland in einem Bild: grüne Hügel, rote Pohutukawa-Bäume, blaues Meer, Strand, Schafe

Tag 10 – 46 km – 349 Hm

Nach zehn Tagen auf dem Rad hat sich unser Tagesrhythmus inzwischen gut eingespielt: aufwachen, Baby windeln, Kaffee kochen, Frühstück machen, Baby füttern, selbst frühstücken, alles einpacken und verstauen, Fahrräder abfahrbereit machen – die Handgriffe sitzen in der richtigen Reihenfolge und das Timing geht gut auf, sodass wir meistens gegen halb zehn auf dem Rad sitzen, genau dann, wenn Karl sein Vormittagsschläfchen machen möchte. Mit Baby läuft es aber oft genug anders als gedacht und manchmal wird auch der beste Plan durcheinandergewürfelt, wenn der Kleine einfach Anderes im Sinn hat. Oder unerwarteterweise bis kurz vor acht Uhr schläft.

Demnach ging es heute erst nach elf Uhr los, als die Sonne bereits hoch stand und es schon ziemlich heiß war. Trotzdem ließ es sich gut aushalten mit dem stetig wehenden Küstenwind. Heute kam dieser für uns zum Glück von hinten, sodass wir auch ziemlich zügig vorankamen. An diesem Teil der Küste beginnt der Hauraki Rail Trail, ein Fernradweg auf einer ehemaligen Bahntrasse. Leider besteht der Untergrund auf diesem Abschnitt aus sehr feinem, losem Kies, auf dem sich fast so schlecht fahren lässt wie auf Sand, sodass wir die meiste Zeit auf der direkt daneben verlaufenden Straße fahren mussten. Autos gab es aber ohnehin weiterhin fast keine, sodass das wir auch dort meist nebeneinander herfahren konnten.

Später am Nachmittag, als wir auf der Suche nach einer Unterkunft waren, haben wir vor einem hübschen Dorf-Café noch Barrista Mike und seinen Kumpel Sir Bob getroffen. Die beiden waren erstaunt und beeindruckt über unsere Unternehmung und sehr hilfreich bei der letztlich erfolgreichen Suche nach einer (äußerst billigen) Unterkunft in einem Motel und einem ruhigen Weg dorthin abseits der Hauptstraße. Der alte, etwas kauzige Bob hat unterdessen für hervorragende Unterhaltung gesorgt, als er plötzlich sein unerwartet gutes Deutsch herausholte, während Mike uns mit großartigem Kaffee versorgte.

Kling, Glöckchen …: Die Dekoration ist allgegenwärtig, wirkt aber manchmal etwas skurril und richtige Weihnachtsstimmung will mitten im Sommer nicht so recht aufkommen. Prost: Im Café besteht Karl wie immer auf einer eigenen Tasse.

Tag 11 – 56 km – 194 Hm

Mehr Bilder und Videos gibt es wie immer hier: www.instagram.com/bikepackingfamily.cc

bikepackingfamily