Letzter Berg vor Wellington
Der letzte Tag im Wairarapa brachte für uns vor allem eines: Wind. Der direkte Weg zu unserem nächsten Etappenort wäre heute auf einem vielbefahrenen Highway gewesen, unsere Route führte uns aber über ein kleines Landsträßchen weit außenrum – mit entsprechenden Extra-Kilometern. Am Anfang hieß das also erstmal Kette rechts bei Fahrtrichtung Osten und Wind im Rücken. Mühelos waren schnell 20 Kilometer beisammen, doch dann änderte sich unsere Richtung nach Süden und irgendwann nach Westen. Die letzten 20 Kilometer waren heute die reinste Plackerei.
Unterwegs fiel uns auf, dass die Farbe der Hügel vom gewohnten saftigen Grün nun immer mehr ins Gelbgrüne wechselte. Statt Schafe gab es Weinberge und Olivenhaine zu sehen. Auch kamen wir durch das Örtchen Martinborough, das für seine Weine bekannt ist und zudem der Ort zu sein scheint, an dem wohlhabende Leute aus der nur ungefähr eine Stunde entfernten Hauptstadt Wellington am Wochenende abhängen. Jedenfalls war die Porschedichte plötzlich extrem hoch und der örtliche Golfplatz war voll.

Gelb statt grün: die Farbe der Landschaft verändert sich inzwischen.
Übernachtet haben wir in Featherston im Motel, wo wir kurz mit dem Paar aus dem Zimmer nebenan ins Gespräch kamen und prompt eine Einladung zum Übernachten in Wellington am nächsten Tag erhielten und außerdem mit reichlich Aprikosen, Pflaumen und Nektarinen beschenkt wurden. – wenn wir nicht bereits eine andere Einladung gehabt hätten, hätten wir diese angenommen.
Tag 29 – 66 km – 467 Hm
Am Abend war der Wind zu einem ordentlichen Sturm mit starkem Regen angewachsen, zum Morgen hatte er sich aber wieder fast vollständig beruhigt. Zwischen Featherston und Wellington liegt die Bergkette Remutaka Range, der Highway führt über den einzigen Pass, der im Sturm der letzten Nacht mit großen Fahrzeugen nicht mehr befahrbar war. Dementsprechend war das Motel am Morgen unerwarteterweise voll.
Für Radfahrer gibt es eine wesentlich schönere und angenehmere Alternative zum verkehrsreichen Pass, den Remutaka Rail Trail. Wo früher die Eisenbahn von Wellington nach Nordosten das Gebirge überquerte, verläuft heute der Radweg. Da wegen des unwegsamen und steilen Geländes nur extrem aufwendig und mit Speziallokomotiven befahrbar, hat man irgendwann die Bahntrasse in einen Basistunnel verlegt und die alte Strecke aufgegeben. Die ist zwar mit 7 % für eine Bahntrasse extrem steil, auf dem Fahrrad aber gut machbar und schön gleichmäßig. Zudem ist die Aussicht phanstastisch, man kommt durch einige alte Eisenbahntunnels und muss eine lange Hängebrücke überqueren (die ursprüngliche Bahnbrücke wurde offenbar abgebaut).


Sieht zwar auf dem Bild nicht so steil aus, aber 7 % sind schon genug, dass man es deutlich spührt. Auf dem kurzen Single Trail zu Beginn musste sogar kurz zu zweit geschoben werden.
Lich am Ende des Tunnels: Gleich geschafft. Zuerst spektakuläre Ausblicke als Belohnung, bald danach die Passhöhe.


Oben: Nach 7 Kilometern Steigung war der höchste Punkt und Meilenstein #14 erreicht: der Remutaka Summit Tunnel. Drüben gab es erstmal die Mittagspause, leider dann im Regen.
Bei der Abfahrt auf der anderen Seite hat es uns dann doch erwischt: Nach gut 1500 Kilometern die erste Reifenpanne. Vor einem Café ließ die sich aber bei einem Becher heißem Gebräu schnell reparieren. Ab dort rollten wir nur noch bergab zügig durch das Hutt Valey.
In Lower Hutt, das schon mitten im Ballungsraum von Wellington liegt, erreichten wir auf einem steilen Hügel unsere heutige Unterkunft: Susanna und John hatten wir bei unserer Abreise vom Flying Fox zwei Wochen zuvor kennengelernt und waren ins Gespräch gekommen. Beeindruckt von unsererm Vorhaben hatten sie uns eingeladen, bei ihnen im Haus zu übernachten. Nicht nur das, es gab auch ein äußerst leckeres Abendessen und untergebracht haben sie uns nebenan im Haus ihrer Tochter, die im Moment auf Reisen ist und das wir so ganz für uns alleine hatten. Für diese Gastfreundschaft danken wir hiermit nochmal herzlichst!
Von ihrer Haustüre kann man bereits bis nach Wellington blicken und das Ende der Insel erspähen. Morgen folgen die wenigen verbleibenden Kilometer, bevor es auf die Fähre in Richtung Südinsel geht.
Tag 30 – 60 km – 644 Hm


Die Panne war zum Glück schnell repariert. Bei John und Susanna konnten wir eine äußerst komfortable Nacht verbringen.
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