Cape Reinga nach Bluff – 3000 km erfolgreich durch Neuseeland


Wenig bemerkenswert: Das einzige Foto vom letzten Abschnitt. Endspurt: Hinter dieser Kuppe enden die Straße, die Insel und die Reise.
Wir haben es geschafft! Das Gepäck haben wir heute in der Unterkunft in Invercargill gelassen und sind das letzte Stück fast ohne Gewicht ans Ziel dieser langen Reise geradelt. Weder Bluff noch der Weg dorthin sind besonders bemerkenswert, immerhin gibt es fast für die gesamte Strecke einen Radweg. Am Ende der Straße befindet sich eine Aussichtsplattform mit dem berühmten gelben Wegweiser. Touristen steigen aus, machen ein Foto vom Schild und steigen wieder ein. Am Horizont sind ein paar Inselchen zu sehen, irgendwo liegt auch noch Stewart Island, die drittgrößte Insel Neuseelands, auf der ein paar hundert Menschen leben. Danach kommt nur noch Ozean und irgendwann die Antarktis.
Wir haben es also geschafft, sind über 3000 Kilometer bis hierher geradelt. Unterwegs haben wir unendlich viel gesehen und erlebt. Großartige und vielfältige Natur, Berge, flaches Land, gutes und scheußliches Wetter. Wir haben unglaublich viele tolle Begegenungen mit Menschen gehabt, von denen viele Erinnerung lange bleiben werden, hier und da vielleicht auch ein Kontakt. Die Gastfreundlichkeit der Leute hat uns immer wieder begeistert.
Wir haben es geschafft, sind mit einem zehn Monate alten Baby losgefahren, angekommen sind wir mit einem Kleinkind. Der kleine Karl war mindestens viermal krank auf dem Weg, zum Glück nie ernsthaft. Unterwegs hat er erst angefangen, vom Robben zum Krabbeln überzugehen und dann erste vorsichtige Schritte ohne Festhalten zu machen. Jede Menge andere kleine und gewaltige Entwicklungsschritte hat er unterwegs gemacht und begeistert uns weiterhin jeden Tag damit. Was er auf dieser Reise erlebt hat, lässt sich nur erahnen, er kann es noch nicht in Worte fassen.
55 Tage sind wir Rad gefahren, alle Ruhetage und die Weihnachtspause eingerechnet waren wir 72 Tage unterwegs. 5 Babyhosen wurden in dieser Zeit zu klein. Auf dem Weg haben wir 9 Flaschen Sonnencreme verbraucht und 2 Dosen Sitzcreme. 10 platte Schläuche mussten repariert werden, 1 Reifen wurde zwischenzeitlich ersetzt, die anderen waren zu Beginn nagelneu und sind nun auch am Ende ihres Lebens. 1 Fahrradcomputer hat den Geist aufgegeben, 3 Trinkflaschen gingen verloren oder kaputt, 3 (sehr kleine Flaschen) Schmierstoff haben wir besessen, 5 Fahrradhosen verschlissen und unterwegs geschätzte 160 Avocados gegessen.
Es war nicht immer einfach, viele Herausforderungen haben sich unterwegs ergeben. Mit manchen hatten wir gerechnet, bei manchen vergeblich gehofft, verschont zu bleiben, andere kamen gänzlich unerwartet. Manchmal war es mühsam, an anderen Tagen ging es viel einfacher als gedacht. Jeder Tag hat sich gelohnt. Am Ende waren wir sogar ein bisschen schneller als erwartet. Würden wir es wieder machen? Mit einem Baby auf eine monatelange Radreise gehen, mit minimalem Gepäck, über Stock und Stein?
Jederzeit.
Tag 55 – 36 km – 94 Hm


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