Endspurt

Die letzten Kilometer bringen nochmals Neue Herausforderungen

Der absolute Kontrast zum vollen und hektischen Queenstown erwartete uns am nächsten Tag. Mit einem historischen Dampfschiff haben wir übergesetzt zum Westufer des Sees, an dem es außer zweier großer Farmen nichts gibt. Also nichts. Der nächste Ort liegt 100 Kilometer weiter hinter der nächsten Bergkette, 80 davon sind nur mit Allradantrieb gut befahrbar. Oder halt mit dem Fahrrad.

Einsteigen! Mit dem historischen Dampfschiff ging es über den See.

Man kann sich nicht satt sehen an Bergen, blauem Himmel, grünen Wiesen, türkisblauem Wasser und der endlosen Leere.

Absolute Einsamkeit und wirklich mit Abstand die sensationellsten Landschaftsblicke dieser gesamten Tour ließen uns aus dem Staunen nicht mehr herauskommen. Wir fühlten uns wie im Bilderbuch, und hier sind sicherlich schon viele Bilderbücher produziert worden. Weil wir erst am Nachmittag das Boot nehmen konnten, war heute schon nach kurzer Strecke Schluss. Wir schlugen unser Zelt auf am Ende des einsamen Tals am Fuß des Anstiegs, der am nächsten Morgen für uns bereitstehen sollte. In der Nacht wurde es bitterkalt, der Sternenhimmel war unbeschreiblich.

Einsamkeit: Hier war außer uns wirklich niemand außer (am Anfang) Tieren.

Wie immer fleißig beim Mithelfen. Das Schild droht schon an, wie der nächste Tag beginnen wird.

Tag 51 – 42 km (13 davon per Schiff) – 353 Hm

Unschlagbar: Nach dem letzten Hügel der Reise gab es erstmal nur Weite, Gefälle und Rückenwind.

Nasse Füße: Für geschätzte drei Autos pro Woche lohnt sich keine Brücke.

In dieser Nacht war Karl der Einzige, der nicht gefroren hat, kuschelig in zwei Schlafsäcke eingehüllt hat er seelig geschlafen. Auch am Morgen war es noch kalt, bis es die Sonne endlich über die Bergkämme schaffte und es schlagartig warm wurde. Der angekündigte Berg begrüßte uns am Morgen erstmal mit 16 % Steigung auf Schotter. Im Wissen, dass dies der allerletzte Berg auf dieser Reise ist, waren wir aber schnell oben. Ab dann führte uns die Straße ewig durch die Einsamkeit. Zweimal galt es, einen Fluss zu furten, beim zweiten Mal war dieser zu tief, um den Trailer zu ziehen, wir mussten ihn mitsamt dem Passagier rübertragen, mit den Füßen im eisigen Wasser. Es ging immer leicht bergab und der steife Wind wehte von hinten, die Straße zwar geschottert, aber so gut eingefahren, dass man eine fast glatte Fahrbahn unter den Reifen hatte. Es ging also mit Leichtigkeit schnell voran … bis wir IHM begegneten.

Das Schlimmste, was dir auf einer Schotterstraße begegnen kann. Radfahrer warnen einander, man darf seinen Namen nicht nennen, und wer es doch tut, wird ihm bald begegnen und es bitter bezahlen – DER GRADER! Diese Höllenmaschine erneuert den Straßenbelag, pflügt ihn auf und verteilt ihn neu, und überall, wo er gewesen ist, leiden Radfahrer. Aus fest eingefahrener Oberfläche wurde tiefer loser Schotter, Lenken ist kaum noch möglich, man muss sich irgendwie in den Spurillen der Fahrzeuge halten und man fragt sich, wie in aller Welt das jetzt die Straße verbessert hat.

Nicht besser als vorher: Die Schlimmste Begegnung, die möglich ist. Danach folgten viele mühsame Kilometer und zwei Reifenpannen.

Es hat uns viel Zeit, Kraft und Nerven sowie zwei platte Reifen gekostet, sodass wir froh waren, als sich endlich die Chance ergab, durch einen kleinen Umweg wieder auf einen Highway zu wechseln und das letzte Stück wieder auf festem Boden hinter uns zu bringen. Der Rückenwind wehte uns im Nu nach Mossburn, wo auf dem Campingplatz Pfaue frei herumstolzieren und wir in der Abendsonne die Alpacas füttern konnten.

Nah dran: Auf dem Campingplatz gab es viele Tiere auf nächster Nähe zu sehen.

Tag 52 – 78 km – 661 Hm

Die Reise neigt sich dem Ende zu und wir sind alle drei froh auch darum. Wir freuen uns darauf, nicht mehr täglich viel Zeit mit Routenplanung, Essens- und Vorratsplanung und Suche nach Unterkünften zu verbringen. Heute war diese Stimmung besonders deutlich, denn der Morgen begrüßte uns mit strömendem Regen und einem schlecht gelaunten Kind mit Fieber. Im miesen Wetter dauerte es besonders lange, bis das klatschnasse Zelt eingepackt und alles verstaut war, der arme kranke Karl auf seinem Platz saß und wir endlich losradeln konnten. Es war ein Tag zum Vergessen, außer strömendem Regen kam noch Gegenwind und kalte Temperatur hinzu und der Fahrradcomputer hat in der Nässe seinen Geist aufgegeben. Die Landschaft stand im völligen Kontrast zu den letzten Tagen. Ab jetzt nur noch Flachland mit Kühen und Schafen, schnurgerade Straßen und absolut nichts Bemerkenswertes mehr zu sehen.

Tag 53 – 71 km – 21 Hm

Immerhin hatten wir am Abend noch eine komfortable Unterkunft finden können, wo wir warm duschen und vernünftig schlafen konnten. Am Ende kam sogar nochmal die Sonne ein bisschen raus.

Unerwartetes Hindernis: Noch nicht das Ende der Reise, aber das Ende dieser Straße. Durch das Gebüsch schiebend war die nächste nicht sehr weit entfernt. Meilenstein #29: Ein Southland Local, hier Maria, die Wirtin unserer Unterkunft, mal wieder ausgesprochen zuvorkommend.

Heute ging es wieder bei gutem Wetter weiter, die Landschaft war aber weiterhin genauso abwechslungslos. Karl ging es etwas besser, aber er hatte noch immer schwankend Fieber und keinen großen Apettit. Der Tag endete schon relativ früh in Invercargill, der südlichsten Stadt des Landes. Besonders sehenswert ist die nicht, viele leere Häuser erwecken den Eindruck, dass sie wohl schonmal bessere Tage gesehen hat. Für uns aber bedeutete sie die Gewissheit: Noch eine kurze Tagesetappe, dann werden wir unser Ziel erreicht haben! Vorfreudig konnten wir uns also ins Bett legen und beseelt schlummern.

Tag 54 – 43 km – 44 Hm

Nur eine kleine Auswahl: Ganz zum Ende hin mussten nochmal ziemlich viele Reifen geflickt werden. An diesem Tag hat es an einem Rad sogar beide gleichzeitig erwischt.

Mehr Bilder und Videos gibt es wie immer hier: www.instagram.com/bikepackingfamily.cc