Auf dem Timber Trail

Regen, Pfützen, Berge, Wald

Dieser Morgen begrüßte uns nicht besonders freundlich. Wir wachten zu strömendem Regen auf, ausgerechnet heute, als eines der absoluen Highlights der Strecke auf der Nordinsel anstand: Der Timber Trail ist ein gut 80 km langer Mountainbiketrail, der durch ein äußerst abgelegenes Gebiet führt – hier gibt es nicht nur keine Orte oder Siedlungen, hier gibt es noch nicht mal eine Straße, die irgendwo durchführt, nur Wald. Der Pureora Forest ist ein riesiger natürlich erhaltener Regenwald (760 Quadratkilometer), unter Schutz gestellt in den Siebzigerjahren, nachdem Aktivisten jahrelang gegen Abholzung und Raubbau protestiert hatten. Der Trail führt mittendurch, auf halbem Weg gibt es einen Zeltplatz und eine Lodge, ansonsten ist Wald mit dichtestem Unterholz angesagt. Wir hatten die Lodge gebucht, weil dort Vollpension angeboten wird und wir so weniger Proviant mitschleppen mussten. Rückblickend eine sehr gute Wahl, denn im miesen Wetter mit krankem Baby zu campen hätte uns vermutlich den Rest gegeben.

Wir haben uns also in unsere Regenkleidung gehüllt, Karl in den wasserfesten Anzug gesteckt, uns innerlich auf Schlamm und Dreck eingestellt und sind losgefahren. Zum Aufwärmen ging es erstmal ein paar Kilometer flach durch den kurvigen Trail zwischen den Bäumen durch. Dann folgte ein einziger langer Anstieg bis zum höchsten Punkt unserer Reise auf der Nordinsel, knapp unter 1000 m, bevor es für den Rest des Tages größtenteils bergab ging. Karl hat das miese Wetter und seinen miesen Zustand fast komplett verschlafen, bei jedem kurzen Stopp kamen nur kurze Geräusche des Protests aus dem Anhänger, bevor er wieder eingeschlafen ist.

Regen, Matsch und Schlamm: Falls noch irgendwer denkt, dass hier sei ein gemütlicher Urlaub mit ein paar Radtouren – gefilmt wird nur dort, wo es der Weg zulässt.

Schneller Snack: Die Mittagspause musste kurz ausfallen. Meilenstein #8: Timber Trail, zugleich Cima Coppi (höchster Punkt) auf der Nordinsel.

Schnell haben wir hier gemerkt, dass bei uns beiden die Fahrtechnik rasch besser geworden ist und wir trotz Nässe und Schlamm jede Menge Spaß an der Fahrt hatten. Trotzdem sind wir mit den Gravelbikes und mit Trailer deutlich langsamer als die Mountainbiker und so gehörten wir trotz der überschaubaren Distanz zu den letzten, die in der Lodge eincheckten, obwohl wir auf eine ausgedehnte Mittagspause verzichtet hatten. Umso erstaunter waren alle anderen Gäste über unsere Räder und den Anhänger. Alle anderen waren auf Mountainbikes mit fetten Reifen hier, gut die Hälfte mit E-Antrieb. Vom Personal hatte niemand zuvor ein Baby in der Lodge gesehen und wir sind inzwischen überzeugt davon, als Erste überhaupt einen Trailer mit Baby hoch und wieder runter gezogen zu haben.

Die Natur hier ist unbeschreiblich, das Grün überwältigend und undurchdringlich für das Auge. Immer wieder taucht wie aus dem Nichts eine große Hängebrücke auf, die spektakulär ein Tal überspannt, insgesamt gibt es acht davon. Wir haben oft angehalten und Bilder gemacht, bei gutem Wetter wären wir wahrscheinlich nie angekommen. Im Regen mussten wir aber auf Drohnenaufnahmen verzichten und irgendwann wurde es auch kalt. So waren wir froh, endlich die Unterkunft zu erreichen. Hier galt es nicht nur die Räder und uns selbst vom Matsch zu befreien, auch Karl musste nach dem nächsten Windelunfall geduscht und mal wieder sämtliche seine Kleidung gewaschen werden. Nach dem Abendessen sind wir also ziemlich schnell erschöpft ins Bett gefallen.

Tag 17 – 36 km – 831 Hm

Wie aus dem Nichts taucht die erste von insgesamt acht luftigen Hängebrücken aus dem Regen auf.

Matsch: Zum Glück gab es in der Lodge Wasserschlauch und Trockenraum. Ein bisschen was ist doch auch unten in den Trailer gelangt, der Passagier war zum Glück aber nochmal wasserfest angezogen.

Am Morgen hatten wir eine äußerst schwierige Entscheidung zu treffen. Zwar war das Wetter deutlich besser geworden, doch ging es Karl noch immer nicht gut und wir waren nach einer Nacht im zwar sehr komfortablen Zimmer, aber dennoch mit wenig Schlaf erschöpft. Für Verpflegung mussten wir das Städtchen Taumarunui erreichen, das erst 25 Kilometer nach dem Ende des Trails liegt. Weder wir noch Karl sollten heute 5-6 h auf dem Trail und anschließend 1-2 h auf der Straße verbringen. So entschieden wir uns schweren Herzens dafür, die zweite Hälfte des Trails auszulassen und stattdessen auf der geschotterten Zufahrtsstraße zu Lodge und Zeltplatz zu fahren. Wir waren so erhebelich schneller und erreichten am späten Nachmittag Taumarunui, wo wir für einen Ruhetag im Motel eincheckten.

Wetter wieder besser: Auch ohne Trail bot sich eine eindrucksvolle Szenerie.

Die Landschaft unterwegs war genauso wunderschön und sehenswert, beinahe genauso abgelegen und auch grün, so weit das Auge reicht. Es war also trotzdem ein schöner Tag auf dem Rad, nur wesentlich entspannter. Einige Kilometer vor unserem Ziel kam uns ein anderer Radfahrer auf einem Gravelbike entgegen, der uns kurz danach wieder von hinten einholte. Er hatte umgedreht, um sich mit uns zu unterhalten und zu erfahren, wer wir sind. Er stellte sich als Frans vor, vor 36 Jahren aus den Niederlanden ausgewandert und sehr erfahrener Lauf- und Radsportler. Da seinem geübten Auge unser inzwischen nur noch schlecht eingestellter Reifendruck nicht entgangen war, lud er uns kurzerhand ein, bei ihm vor der Garage halt zu machen und seine vernünftige Luftpumpe zu benutzen. Eine sehr nette Begegnung und wie sich später noch mal herausstellen sollte ein äußerst gütiger und hilfsbereiter Mensch.

Tag 18 – 61 km – 609 Hm

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