Von der vagen Idee …
Eine erste dunkle Idee ist schon vor vielen Jahren beim ersten Besuch in Neuseeland – zum Schüleraustausch mit 16 Jahren – aufgetaucht: zurückkehren und dieses besondere Land von einem Ende bis ans andere mit dem Fahrrad durchqueren. Die Idee, anfangs für einen Solotrip, schlummerte für viele Jahre kaum wahrnehmbar in einer verborgenen Ecke des Gehirns, bis sie schließlich reifte und sich lauter und lauter bemerkbar machte. Erste Gedanken wurden ausgesprochen, erste Recherchen betrieben, ein erster Zeitplan überlegt – bis natürlich doch alles anders kam.
… zum konkreten Plan
Denn zur selben Zeit kündigte sich das größte überhaupt denkbare Glück an: Aus zweien würden drei werden, unser erstes Kind war auf dem Weg. Damit war aber auch klar, dass erstmal kein Platz für monatelange Solotrips sein würde und somit kam die Idee vorerst zurück in ihre dunkle Hirnecke – wo sie es aber nur kurze Zeit aushielt. Denn was spricht eigentlich dagegen, das Ganze einfach als Familie zu machen? Eben. Radreisen mit Kindern haben schon andere vor uns unternommen, und wann gibt es dafür eine bessere Gelegenheit als in der Elternzeit?
Die Begeisterung für den Plan haben wir beide auf Anhieb geteilt und der Zeitpunkt war schnell entschieden: Im (Süd-)Sommer 2023/24, wenn unser Kind zwar kein superempfindliches Neugeborenes mehr ist, aber noch ein leicht zu transportierendes Kleinkind.
Tour Aotearoa
Erheblich einfacher wurde die Planung, als wir bei der Recherche auf die Tour Aotearoa gestoßen sind: ein jährliches Brevet, das von Cape Reinga ganz im Norden der Nordinsel nach Bluff im äußersten Süden der Südinsel führt und damit genau über die Strecke, die wir uns vorgenommen haben.

Wir wollten zwar an keinem Event teilnehmen und es war auch klar, dass wir die Distanz sicher nicht in den vorgeschriebenen maximal 30 Tagen bewältigen konnten. Aber es gibt vorgeplante GPS-Tracks der Strecke, Guide Books mit Tipps zu Unterkünften und Camping und vor allem haben sich ein paar sehr erfahrene Kenner der Radsportszene und Geographie in Neuseeland jede Menge Gedanken gemacht und eine Strecke rausgesucht, die ausgeschriebene Radfernwege und ein paar Trails mit kleinen Nebenstrecken verbindet, die durch die schönsten und sehenswertesten Gegenden führt und sich dabei von Highways und Hauptstraßen größtenteils fernhält. Damit ist die Tour Aotearoa einer der großartigen Bikepacking-Trips, die die Welt zu bieten hat.
Hier gehts zur offiziellen Website:
Tour Aotearoa
▶ Info: Brevet
Langstreckenfahrt, bei der eine vorgegebene Strecke in einem bestimmten Zeitlimit zurückgelegt und dabei bestimmte Kontrollpunkte angefahren werden müssen. Ohne Zeitnahme und ohne Renncharakter, meist ist die Distanz self-supported, also ohne Hilfe von außen zurückzulegen. Berühmte Brevets sind zum Beispiel Paris-Brest-Paris oder das Transcontinental Race in Europa oder Cascade 1200 in den USA.
Insgesamt ergibt sich so eine Strecke von rund 3000 km Radfahrt mit der einen oder anderen Bootspassage oder Fährfahrt hier und da. Wer am Brevet teilnimmt (jährlich im Februar), hat zwischen 10 und 30 Tagen Zeit für die Strecke. Wir wollten es gemütlicher angehen lassen und haben uns drei Monate Zeit genommen, mit mehreren Wochen Pufferzeit am Ende, falls es länger dauert oder falls es uns unterwegs irgendwo so gut gefallen sollte, dass wir ein bisschen verweilen wollen. Gestartet sind wir mit der Offenheit, dorthin zu gelangen, wo der Weg uns hinführt, auch wenn das vielleicht anderswo als geplant ist, und vielleicht auch zu scheitern. Am Ende haben wir 55 Tage auf dem Fahrrad verbracht und in weniger als der vorgesehenen Zeit unser Ziel erreicht.