Im Nichts
Vier anstrengende Tage durch die kaum besiedelte Manawatu-Region
Ab Whanganui stand nicht nur eine relativ lange Etappe an, sondern auch ein Abschnitt, der uns vier Tage lang durch kaum bewohntes Gebiet im Manawatu- Distrikt führte und somit vor logistische Herausforderungen stellte. Für Unterkünfte gab es hier keine andere Wahl als unser Zelt und Verpflegung mussten wir komplett mitnehmen. Als wir am Morgen aufwachten nach einer Nacht, in der niemand von uns dreien besonders viel geschlafen hatte, war also einfach und schnell entschieden, dass dieser Abschnitt aufgeschoben werden und ein spontaner zusätzlicher Ruhetag eingelegt werden musste.
Erst einen weiteren Tag später ging es also wieder aus Whanganui heraus, ziemlich bepackt und mit schweren Taschen und vollgeladenem Anhänger. Karl musste seine Füße auf Taschen mit Proviant auflegen, denn der gesamte Fußraum war vollgestopft. Gut also, dass auf den ersten Hügel des Tages, den Aussichtspunkt über Whanganui und Fotokontrollpunkt Durie Hill ein Aufzug hinaufführt, ein altes klappriges Ding aus dem Jahr 1912 inklusive Liftboy in Uniform.


Licht an: Im Tunnel zum Aufzug und dann hoch zu Meilenstein # 11: Durie Hill über Whanganui
Immer lächeln: schwer bepackt bergauf, was gibt es Schöneres?! Määäh: Von den berühmten 50 Millionen Schafen von vor 25 Jahren gibt es mittlerweile nur noch einen Bruchteil, aber sie leben scheinbar alle hier in der Gegend.
Alle anderen der ziemlich zahlreichen Hügel des Tages mussten aber mit Musikelkraft erklettert werden. Am Abend im Örtchen Hunterville gab es immerhin ein Motel zum Übernachten, das auch gleichzeitig das Café und Restaurant des Ortes ist und überraschend gutes indisches Essen hat.
Tag 23 – 62 km – 729 Hm
Am nächsten Tag ging es dann richtig zur Sache. Im gefühlten Niemandsland besteht der Straßenbelag über weite Strecken aus grobem Schotter, oft lose, meist bergauf, sodass das Fahren viel Konzentration abverlangte und nur langsam voran ging. Dabei blieb kaum Möglichkeit, die Schönheit der Landschaft außenrum zu bewundern. Hier gibt es nur einzelne Farmen, grüne Hügel, Schafe, noch nicht mal Dörfer.

Thema des Tages: Schotter, Nichts und das einzige Haus für Kilometer.


Fleißig: Karl macht gerne Werbung. Egal: wenn hier eh niemand ist, kann man auch die Straßenseite frei wählen.
Noch dazu brannte die Sonne erbarmungslos herab und von unten stieg der Staub von der Straße auf. Froh und erleichtert waren wir, als es nach der Mittagspause endlich wieder auf Asphalt weiterging. Zwar früh schon gegen 14 Uhr erreichten wir nach relativ kurzer Strecke unser Tagesziel Rangiwahia (3 Häuser!), doch so erschöpft, dass es gerade noch reichte, um das Zelt aufzubauen.
Tag 24 – 42 km – 765
Die Nacht im Zelt war hart, Karl hat wohl mal wieder einen weiteren Zahn bekommen, war ständig wach und hat sich ab 4 Uhr komplett geweigert, im Liegen zu schlafen. Lukas hat den Rest der Nach draußen verbracht und Karl hat in der Trage zwar noch geschlafen, aber im Sitzen mit Trage zu schlafen (oder eher zu dösen) ist natürlich alles andere als erholsam


Noch zwei Tagesreisen: nächster Ort mit Geschäft. Zum Glück werden Proviant weniger und die Taschen leichter, sodass es auch bergauf wieder einfacher geht.
Mit dem Sonnenaufgang war die Stimmung allerdings bei allen wieder gut. Das Gute an Proviant ist, dass er mit der Zeit rasch weniger wird, und so waren heute Anhänger und Taschen schon erheblich leichter, nur einer der Gründe, warum es schon deutlich einfacher voran ging. Zwar waren wieder viele Kilometer Schtter dabei, aber heute in etwas besserem Zustand und somit deutlich einfacher zu fahren. Nach der Mittagspause führte die Straße ins Pohangina Valley hinab, ab dort dann wieder auf Asphalt. Die Sonne war auch etwas gnädiger und netto ging es zumindest mehr bergab als bergauf.
Trotzdem waren wir auch heute erschöpft und froh, unser Ziel erreicht zu haben – wie wir dachten, denn kurz vor dem Zeltplatz begrüßte uns ein Schild: „Road closed“, Straße gesperrt. Hinter der nächsten Ecke war auch sofort erkennbar warum: Wo eigentlich eine Brücke sein müsste, endet die Straße stattdessen in einer Böschung am Flussufer. Zeltplatz und Fotokontrollpunkt liegen auf er der anderen Seite, die nächste Brücke 15 Kilometer flussabwärts. Zwei Arbeiter waren gerade mit Vermessungsarbeiten beschäftigt und erzählten, dass beim letzten Zyklon die Brücke durch Hochwasser zerstört worden sei. Sie gaben uns auch den Hinweis, dass sie bei ihren Arbeiten zuvor im Fluss herumgewatet seien und dieser im Moment nur knietief sei. Also Schuhe ausziehen, Baby aus dem Anhänger heben und mit der Trage umschnallen, Fahrräder schultern und alles rübertragen. Übernachtet haben wir im Zelt direkt am Fluss und entweder wirkt das Rauschen des Wassers beruhigend oder die Schneidezähne sind jetzt alle da.


Ups: Wir haben mit einer Brücke gerechnet, am Ende kam es anders


Die vorerst letzte Nacht unter einem Baum im Totara Reserve Naturpark, Meilenstein #12
Tag 25 – 52 km – 708 Hm
Vom Naturpark Totara Reserve ging es am Fluss entlang, bis sich das Tal langsam öffnete. Hier begneten wir nun immer mehr Radfahrern und auch am restlichen Verkehr wurde erkennbar, dass wir uns dem Ballungsraum wieder näherten. Hauptsächlich bergab, aber teilweise mit heftigen Windböen aus gefühlt allen Richtungen zugleich rollten wir nach Palmerston North, Hauptstadt der Region und unser nächster Etappenort.


Endlich mal flach: am Rand des Ballungsraums von Palmerston North am Flussufer des Manawatu River. In der Stadt gab es erstmal wieder etwas Komfort und Service
Tag 26 – 45 km – 255 Hm
Mehr Bilder und Videos gibt es wie immer hier: www.instagram.com/bikepackingfamily.cc
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