Endlich ein Update – der Rest der Westküste
Auf dieser Reise hatten wir und haben wir immer wieder unzählige bemerkenswerte Begegnungen mit Menschen, angefangen mit kleinen Gesprächen vorm Supermarkt, Locals, die nützliche Hinweise zur Strecke oder Unterkünften geben oder einfach nur anfeuern, Begegnungen mit anderen Reisenden, kleinen Gesten wie einer kalten Flasche Wasser an einem heißen Tag oder einem geschenkten Regenschirm aus dem Autofenster heraus bis hin zu Menschen, die ohne zu zögern ihr Zuhause öffnen und wildfremden Menschen wie uns ein Bett anbieten und ein Abendessen zubereiten. Sie können nicht alle erzählt werden, aber einige dürfen doch nicht unerwähnt bleiben. Dass aber alle Abonnenten kürzlich eine Liste mit Notizen zu einigen dieser Begegnungen erhalten haben, ist einem augescheinlichen Bug in der WordPress-App zu verdanken, der dafür gesorgt hat, dass der falsche Entwurf ungewollt veröffentlicht wurde.
Der letzte absichtlich veröffentlichte Beitrag hier aber ist nun auch schon wieder länger her. Wer sich gefragt hat, ob alles in Ordnung ist, kann beruhigt sein, wir waren in der Zwischenzeit nicht faul und sind sehr gut vorangekommen. Einzig die Zeit zum Schreiben fehlt. Haben wir am Anfang unserer Reise von unserem Tagesrhythmus berichtet, der sich eingespielt hat, so merken wir inzwischen immer mehr, dass dieser doch nicht mehr so gut passt. Unser kleiner Mann ist nicht mehr ganz so klein und die Bedürfnisse ändern sich. Er braucht tagsüber immer weniger Schlaf und lange Tage im Sattel mit zwei ausgedehnten Schläfchen sorgen immer häufiger dafür, dass er abends erst sehr spät einschläft, manchmal erst, wenn wir selbst gerne schon lange in den Federn lägen. Dazu kommt, dass er in der Zwischenzeit mal wieder krank war und wir einige Tage der Unsicherheit durchmachen mussten, die mental sehr herausfordernd waren. In der Abgeschiedenheit der Westküste, wo nicht nur der nächste Supermarkt gute 200 km entfernt ist, ist eben auch so gut wie kein Gesundheitswesen verfügbar. Doch sei‘s drum, lange Rede, kurzer Sinn, es geht allen gut und wir sind gut vom Fleck gekommen, doch der Reihe nach.

Brrrrr … dieser Schnee lag dort am Abend zuvor ziemlich sicher noch nicht.
Nach dem Regentag in Harihari wachten wir morgens auf mit Blick auf schneebedeckte Berge. Wolkig und eisekalt war es auch unterwegs, dafür gab es einen tollen Landschaftsblick nach dem anderen. Immer wieder wurden auf langen schmalen Brücken Flüsse überquert, die in ihren ewig breiten Schotterbetten scheinbar harmlos vor sich hin fließen, die aber ihre Umgebung ständig neu gestalten. Zum Ende des Tages führte der Weg hinein in Berge nach Franz Josef. Der Ort heißt wirklich so, nach dem gleichnamigen Gletscher, den ein deutscher Entdecker seinerzeit zu Ehren eines Kaisers so benannte. Der Gletscher reichte mal fast bis in den Ort, ist aber inzwischen so weit abgeschmolzen, dass man viele Stunden wandern muss, wenn man ihn sehen will. Zum Abschluss des Tages zeigte sich aber wenigstens noch mal die Sonne und das wunderschöne Bergpanorama kam doch noch zum Vorschein.



Belohnung: Am Abend erscheint die Sonne und die Wolken geben den Blick frei auf einen tollen Ausblick. Franz Josef: ja, so heißt der Ort.
Tag 43 – 61 km – 417 Hm
Die direkte Distanz zum nächsten Etappenort war heute ziemlich kurz, weil aber noch ein längerer Seitentrip dazukommt und es zudem über drei schwierige Pässe ging, darf der Abschnitt wohl doch als vollwertiger Tag gewertet werden. Nachdem erstmal ordentlich Höhenmeter bei mäßiger Temperatur und mit mäßiger Stimmung überwunden waren, konnten wir zum Glück schon einchecken und mit guter Laune den Seitentrip zum Fox Glacier ohne Gepäck und unter der inzwischen erschienenen wärmenden Sonne unternehmen. Der Gletscher fließt sehr steil auf dreizehn Kilometern fast 2000 Meter hinab und endet erst auf ungefähr 300 m Höhe mitten im dichten Regenwald. Ein gewaltiger Wermutstropfen bleibt dabei dennoch bestehen: Vor ziemlich genau 20 Jahren war ich schon einmal an diesem Ort, an dem der Klimawandel offensichtlich ist. Damals war der Fox Glacier vom Ausichtspunkt in greifbarer Nähe zu sehen und fast alles vor den Augen war Eis. Heute ist der weit zurückgewichene Gletscher nur noch in der Ferne sichtbar. Zugang gibt es nur, wenn man sich einen der zahlreichen Helikopterrundflüge leistet, die die Touristen bis oben in den Nährbereich bringen. Alle paar Minuten hört man die Maschinen durch das Tal knattern. Der Ort und die Menschen hier leben offenbar davon, die Eiswelt zugänglich zu machen, doch bleibt dabei der Nachgeschmack, dass sie auf diese Weise unweigerlich zu seiner Zerstörung beitragen.


Meilenstein #23: Fox Glacier, der in dichtem Regenwald endet. Klimawandel hautnah: Vor zwanzig Jahren war von hier aus fast nur Eis zu sehen.
Tag 44 – 38 km – 770 Hm
Der nächste Tag stellte wieder eine lange und nicht all zu ereignisreiche Überführungsetappe dar. Mittagspause machten wir in Bruce Bay, wo es einen Strand, einen Verkaufswagen mit Kaffee und Eiscreme und unzählige Sandflies gibt. Hier trafen wir auch Renco und Anneke aus den Niederlanden, die ebenfalls auf dem Fahrrad unterwegs sind und denen wir in den nächsten Tagen immer wieder begegenen sollten. Nächster Ort nach Fox Glacier ist Haast 120 km weiter im Süden. Zu lang, um es an einem Tag zu erreichen, und zum Übernachten gibt es genau eine Option. Eine Lodge unmittelbar am Lake Parenga, die eigentlich erst ab zwei Nächten gebucht werden kann. Wir hatten uns schon auf einen Pausentag eingestellt, es war hier aber derartig heruntergekommen und dreckig, dass wir am nächsten Morgen schleunigst das Weite gesucht haben.


Zum Abschied nochmal Bergblicke, dann auf geht’s in die Einsamkeit.

Echt schöne Abendstimmung am Lake Parenga. Leider durch die vielen Sandflies nicht aushaltbar und so dreckig, dass wir morgens schleunigst Land gewinnen wollten.
Tag 45 – 71 km – 221 Hm
Gutes Timing, denn so konnten wir den sonnigen Tag nutzen, um bis Haast zu kommen, am Fuße des Haast Pass (alles nach dem gleichen Typen benannt, der den Gletschter dem Kaiser gewidmet hat) gelegen und der Ort, an dem sich der Weg von der Westküste abwendet ins Inland und über die Berge. Unterwegs gab es ein paar steile Hügel zu überwinden und am Knight‘s Point, wo 1965 der Highway vollendet wurde, lag oben auf der Klippe der Aussichtspunkt mit Foto-Meilenstein #24. Das viele Training zeigt inzwischen Wirkung, wäre die heutige Distanz zu Beginn eine große Herausforderung gewesen, kamen wir heute nach 50 km bereits zum Mittagessen am Ziel an. Am nächsten Tag war strömender Regen angekündigt, sodass wir beschlossen, hier den ausgelassenen Pausentag nachzuholen und erst danach die Berge zu überqueren.


Meilenstein #24: Knight‘s Point, benannt nach einem Hund. Schon ganz schln weit: in Haast erstmals Regen abwarten.
Tag 46 – 50 Hm – 471 Hm
Mehr Bilder und Videos gibt es wie immer hier: www.instagram.com/bikepackingfamily.cc
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Lukas