Frohes neues Jahr!

Die erste Fahrt des Jahres führte ins Land der Vulkane

Den Jahrswechsel verbrachten wir bei einem wohlverdienten Ruhetag im Städchen Taumarunui. Für deutsche Verhältnisse kaum die Bezeichnung Stadt wert, ist es ein lokales Zentrum und Verwaltungssitz. Immerhin gibt es hier also einen großen Supermarkt mit allem, was wir benötigten. Für zwei Nächte waren wir in einem Motel abgestiegen und konnten hier auch einen weiteren Regentag aussitzen – gutes Timing. Karl ging es so langsam wieder gut, zuerst kehrte sein Appetit zurück und dann auch seine übliche Energie.

Leider war Mandys Regenjacke am Morgen nicht mehr auffindbar. Absuchen unserer letzten paar Kilometer vom Vorabend brachte keinen Erfolg und auch bei Frans vor der Garage war sie nicht vom Rad gefallen. Er konnte uns aber bestätigen, dass er sie zu diesem Zeitpunkt noch auf die Tasche geklemmt gesehen hatte. Schnell setzte er alle möglichen Hebel in Bewegung, tätigte einige Anrufe und postete in mehreren lokalen Nachbarschaftsforen Aufrufe, sich zu melden, falls die Jacke gefunden worden war. Weil das aber das unmittelbare Problem einer drohenden ungeschützten Fahrt im Regen nicht gleich lösen konnte, griff der erfahrene und gut ausgestattete Rennradfahrer kurzerhhand in seinen Schrank, zog eine Jacke hervor und mit den Worten „I’m never going to use this again“ schenkte er sie uns. Sogar den Versuch, ihm zum Dank eine Flasche Wein zu besorgen, parierte er raffiniert: Er habe bereits mehr Wein als wir, zeigte zum Beweis seinen Weinkeller und schenkte uns kurzerhand noch eine Flasche Pinot gris dazu. Diese haben wir uns zum Jahreswechsel sehr schmecken lassen, vielen Dank für alles, Frans!

Hilfsbereit: Frans hatten wir irgendwo auf der Straße getroffen und er freute sich über ein paar Gleichgesinnte. In der Not hat er uns einfach seine Regenjacke geschenkt. Vielen Dank, Frans!

Südlich von Taumarunui führt die vorgeschlagene Route der Tour Aotearoa über einen weiteren spektakulären Mountainbiketrail zur sogenannten Bridge to Nowhere. Vom gescheiterten Versuch, zwei abgelegene Täler zu besiedeln und urbar zu machen zeugt hier nur noch eine große Brücke auf einer Straße, die schon lange nicht mehr existiert. Heute führt nur der Wander- und Mountainbiketrail hinein und ein Boot auf dem Whanganui River wieder hinaus. Der Trail ist als anspruchsvoll beschrieben, hätte uns aber nicht abgeschreckt. Letzten Endes hätte aber die Abgelegenheit dazu geführt, dass wir Proviant für 5-6 Tagen hätten mitführen müssen, eindeutig zu viel Gewicht für einen schwierigen Trail. Wir fühlten uns also wesentlich besser damit, stattdessen einen Umweg zu fahren und ein beachtliches Stück auf dem Highway in Kauf zu nehmen.

Es war auch wie immer eine sehenswerte Strecke, auf dem Highway war am Neujahrstag glücklicherweise kaum Verkehr und etwa ab der Hälfte des Tages tauchten am Horizont die drei großen Berge auf, die die mittlere Nordinsel Neuseelands dominieren. Ruapehu, Tongariro und Ngauruhoe sind aktive Vulkane und beliebtes Ziel für alle Arten von Bergsport. Vor allem der beinahe perfekt kegelförmige Ngauruhoe ist all jenen bekannt, die die Filme von Der Herr der Ringe gesehen haben.

Hoch auf die Füße der Vulkangiganten ging es heute und so standen über tausend, meist aber erträglich steile Höhenmeter auf dem Programm. In der Nachmittagssonne erreichten wir National Park Village, wo wir unsere Unterkunft bezogen. Bald füllten sich hier die Gemeinschaftsräume mit Backpackern und Wanderern, die alle ein Ziel verfolgten: Bei Sonnenaufgang einen der Shuttlebusse zu nehmen und dann die Traverse der Berge als Tageswanderung zu unternehmen.

Tag 19 – 48 km – 1043 Hm

Land der Vulkane: Links Ngauruhoe, rechts Ruapehu, dazwischen ein Bikepacker. Nicht im Bild: Tongariro. Bergab: Am Morgen gehts erstmal ziemlich flott voran.

National Park liegt so ziemlich am höchsten Punkt dieses Highway und so ging es heute meist bergab. Entsprechend zügig kamen wir am Vormittag voran. Um dem Highway zu entkommen hatten wir in die Strecke für heute noch ein Stück Trail eingebaut. Die Ohakune Old Coach Road war vor vielen Jahren mal die Hauptverbindungsroute in der Gegend, ist teilweise noch mit altem Kopfsteinpflaster belegt und wird als „leicht und geeignet für die gesamte Familie“ beschrieben. In der Tat haben wir dort einige Familien getroffen, aber auch hier nur fette Reifen und E-Bikes zu sehen, so weit das Auge reicht. Auf den Gravelbikes hatten wir wenig Spaß, denn unter Kopfsteinpflaster stellt man sich gemeinhin etwas anderes vor. Es schauten spitze Steine aus dem Erdboden hervor, viel mehr ist nicht übrig vom Pflaster. Die Secteurs Pavés von Paris – Roubaix sind spiegelglatt gegen das hier, in Europa gibt es wohl Straßen aus dem Römischen Imperium, die besser erhalten sind. Wir waren froh, aus diesem Trail wieder draußen zu sein, wenn er auch ein gutes Stück Highway vermieden hat und einen Ersatz-Fotokontrollpunkt für die ausgelassene Bridge to Nowhere lieferte: Eine ehemalige Eisenbahnbrücke, über die jetzt der Radweg führt und die Bahn über die neue Trasse nebenan.

Den ganzen, wieder sehr sonnigen Tag über waren weiterhin die mächtigen Vulkane zu sehen. Noch zwanzig schnelle Straßenkilometer später waren wir heute schon früh in unserer Unterkunft in Raetihi. Hinter Bäumen versteckt in einer Ecke des Örtchens vermietet jemand ein fast schon luxuriös eingerichtetes großes Zelt mit Küchen- und Toilettenhäuschen sowie einer romantischen Outdoorbadewanne. Glamping vom Feinsten, hier konnten wir alle drei den Abend entspannt verbringen und uns die Nacht über gut erholen.

Meilenstein #9: Brücke ins Nichts. Schön versteckt: Glamping vom Feinsten im Komfortablen Zelt

Tag 20 – 50 km – 440 Hm

Mehr Bilder und Videos gibt es wie immer hier: www.instagram.com/bikepackingfamily.cc

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